Kursfahrt des 13. Jahrgangs nach Florenz
Was hat 360.000 Einwohner, eine anerkannte Universität und viel Stadtverkehr? Richtig: Bochum! Ach ja, und Florenz, Hauptstadt der Toskana, die wir anlässlich der diesjährigen Studienfahrt besuchen durften. Und das bei überwiegend fantastico Wetter, trotz fortgeschrittener Jahreszeit.
Allerdings muss man dafür erstmal zwanzig Stunden Busfahrt hinter sich bringen, perdono, 23 Stunden, wenn so ein Bus mal in Schräglage gerät und man in der Italo-Schweiz festsitzt. Das ist zwar unerfreulich, aber immer noch besser als Laufen, denn dann wäre man 13 Tage unterwegs und das kann ja auch keiner wollen. Deshalb also mit dem Bus durch St. Gotthard, und bei aller Liebe, aber mit dem Alpenpanorama auf der Raststätte können die Dammer Berge einfach nicht mithalten.

Und dann, als wir das Gebirge hinter uns lassen, ist sie endlich da: die Toskana! Es duftet nach wildem Oregano und in der immer noch grünen Natur sagen sich Zypressen und Pinien gute Nacht. Wir sind in Italien, unverkennbar, dem Land, in dem auf jedem Fernsehsender gesungen wird, wenn man einschaltet. Gut, in der Stadt angekommen ist dann Schluss mit dem guten Odeur und leider auch mit der Vegetation. Dafür zwängen wir uns durch die engen Renaissance-Sträßchen, die wir uns mit anderen Bussen, Rollerfahrer*innen und Legionen von Mitmenschen teilen müssen. Wir laufen auf Bürgersteigen, die von der Breite her für eine halbe Person ausgelegt sind, um die vielen kleinen Lädchen zu erreichen, die das Flair der Stadt ausmachen.

Aber wer ist überhaupt „wir“? Die Menschen des Abiturjahrgangs 2027 und ihre Lehrkräfte, die die Fahrt mit verteilten Aufgaben bestreiten: Frau Röttger (oberste Reiseleitung und Dolce-Vita-Beauftragte), Frau Braun (zuständig für laute Ansagen und freche Sprüche), Frau Frerichs (Mannschaftsbetreuung), Herr Trebesch (Nachtdienst und Krisenmanagement) sowie Herr Hinderks (Recherchen und Archiv sowie Gesellschaftsspieler). Diese bunte Truppe residiert also für fünf Tage in einem zwar nur zweckmäßig eingerichteten, dafür aber sehr zentral gelegenen Hostel, das ein Gratistrainingsprogramm für Waden anbietet (unter dem fancy Namen „Elevator out of order“).

Von hier aus erkunden wir Kunst, Kultur und Geschichte, bestaunen die Meister der Renaissance in den Uffizien und der Galleria dell Academia, verrenken uns vor der Pracht des Doms aus grün-weiß-rotem Marmor den Hals (der nichts mit der italienischen Flagge zu tun hat!), bedienen Leonardo da Vincis Maschinen und wandern zur Piazzale Michelangelo, um von dort aus den wundervollen Blick auf die Stadt zu genießen und den Einheimischen bei ihrem Tagewerk, dem Hütchenspiel zuzuschauen. Ebenfalls nicht fehlen darf natürlich die Ponte Vecchio, eine Brücke, die für Aussichten auf den Fluss Arno nicht gemacht ist, denn es stehen einfach zu viele Häuser darauf herum, in denen sich seit den Zeiten Cosimos I. Di Medici geschäftstüchtige Juweliere angesiedelt haben. Grund: Der gute Cosimo, eine Art Superschurke der Renaissance, war es leid, beim Lustwandeln durch seinen hochgelegenen privaten Geheimgang vom Geruch von Schlachtabfällen belästigt zu werden.







Das alles konnte übrigens auch dank der großzügigen Unterstützung des Förderkreises der IGS Aurich stattfinden, der uns damit ein paar unvergessliche Momente beschert hat. Deshalb recken wir den Daumen hoch für diese großartige Institution an unserer Schule. Werbung Ende.
Insgesamt wurde also wie auf jeder guten Klassenfahrt viel gelaufen, wobei das fast schon sprichwörtliche feste Schuhwerk oftmals leider im Hostel geschont wurde, was für einen Running Gag, oder sagen wir: Walking Gag sorgte.
Verbrauchte Energie gewinnt man ja am besten durch Essen zurück und da ist Italien schon ganz gut aufgestellt. So schlemmen wir uns durch sämtliche Klassiker der mediterranen Speisekarte, wozu auch die zentral gelegene Markthalle beiträgt, in der man sich der Speisenangebote kaum erwehren kann. Trotzdem gab es das eigentlich obligatorische Eis für die Lehrkräfte (interner Codename: LIT di Firenze - Lehrer*innen-Interventions-Team … di Firenze) erst am letzten Tag.
Einigen reichte das Programm aber nicht und somit führte ein Teil des Jahrgangs seine ganz eigene „Pisa-Studie“ in der gleichnamigen Stadt durch. Ja, manche Wortspiele hält man selbst kaum aus. Jedenfalls: Der Turm ist wirklich schief, konnte aber für kurze Zeit abgestützt werden, die Stadt ist insgesamt eher chillig und so lautet das Fazit schon nach kurzer Zeit: Wir sind fertig mit Pisa!
Und was nehmen wir mit nach Germania? Erstmal Erkenntnisse (schon in der Antike wurde geboßelt), dann Erfahrungen (wenn es in Italien regnet, dann richtig) und schließlich den italienischen Vibe: Ciao, Grazie, tutto bene! Schon nach einem Tag legen wir die deutsche Spießigkeit ab und tun es den Einheimischen gleich, indem wir über rote Ampeln laufen!
Und natürlich tragen wir viele zwischenmenschliche Begegnungen im Herzen: Lehrkräfte spielen niedrigschwellige Partyspiele mit, Jahrgangsintern werden neue Verknüpfungen geschlossen und auch der Kontakt zu den Florentinern wird solide hergestellt, ob nun beim Deutschkurs in der Pizzeria, beim fachlichen Austausch mit Stadtführerinnen oder beim Karaokesingen.
Und so sind wir am Ende zwar froh, dem italienischen Stadttrubel wieder zu entkommen, doch die Wehmut überwiegt, vor allem beim Blick auf die Wetterkarte. Am 9. Oktober, dem letzten Sommertag des Jahres.