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Letztes Jahr bin ich vierzig geworden. Bitte, nur kein Mitleid! Die Seuche ließ damals natürlich noch keine feierlichen Zusammenkünfte zu, weshalb die große Familienparty mit Tee und Kuchen ausfallen musste – oder durfte? Denn auf einmal war der Tag, der ansonsten mit Vormittagsfrühstück und Nachmittagstee, wenn nicht gar noch Abendgrillen vollgepackt war, wieder frei für ganz neue Ideen. Was habe ich also gemacht? Meine Familie ins Auto gepackt und an die Küste gefahren, wo wir uns bei wenig anheimelnden Temperaturen Novemberwind und -wetter um die Nase wehen ließen. Herrlich. Nicht dass ich ein Soziopath wäre, aber dieser Gedanke, an meinem Tag auch mein Ding machen zu können und nicht andere Menschen einzuladen, weil man das nun mal so macht, hatte schon etwas für sich.

Warum erzähle ich euch das? Nun, wenn ihr auf den Zählerstand dieser Kolumne schaut, stellt ihr fest, dass dies die neunundneunzigste Episode von Mr. HOs pädagogischem Panoptikum ist, sozusagen der Vorabend des Jubiläums, der Hundert. Und mit den Erfahrungen meines letzten Geburtstags im Rücken habe ich beschlossen, nicht groß zu feiern, sondern die einhundertste Folge innerschulischer Sinn- und Unsinnsuche damit zu verbringen, was ich gerne mache: Quatsch. Seht also diese Episode als kleinen Polterabend inklusive Rückblick auf vergilbte Fotos an und zelebriert mit mir, so gut ihr könnt, denn der große Bahnhof auf’m Saal wird ausbleiben. Dafür lässt sich der Hausherr auch nicht lumpen und zaubert folgende kleine Rede zur Selbstbeweihräucherung an die hoffentlich zahlreich Erschienenen hervor:

„Verehrte Anwesende, Würdenträger*innen und solche, die es werden wollen, liebe Kinder,

fast fünfeinhalb Jahre ist es nun her, da ich zum Tintenschreiber griff und niederschrieb, was meiner Meinung nach nicht verschwiegen werden durfte: Insiderinfos, Richtigstellungen und das wirklich wahre Leben innerhalb der Schulmauern. Hatte ich anfangs noch gedacht, das Projekt „Nähkästchen Schule“ würde sich spätestens nach 20 Episoden totlaufen, so belehrte mich die Realität doch schnell eines Besseren. Schule ist wie ein Kaleidoskop, einmal kurz weg- und wieder hingeguckt, schon ein ganz anderes Bild. Dafür bedurfte es oft nicht einmal eines so kräftigen Schüttelns wie im letzten Jahr. Für reichlich Schreibstoff ist also immer gesorgt und wenn ich meine To-Write-Liste anschaue, dann scheint sie eher zu wachsen als zu schrumpfen. Manchmal ergeben sich Ideen auch dadurch, dass man mit verschiedenen Instrumenten auf das Schulleben blickt (Mikroskop, Handykamera oder Weitwinkelobjektiv) und so lässt sich aus einem Thema, auf dem man vermeintlich schon den Deckel drauf hatte, doch noch eine Facette neu betrachten. Aber ich merke, ich beginne zu schwafeln von Dingen, die niemanden interessieren. Deshalb an dieser Stelle ein warmer Gruß an diejenigen, ohne die diese Kolumne so nicht möglich wäre. Ja, ich weiß, das ist die Stelle, an der der Prämierte die goldene Schüssel hochreckt und ins Publikum brüllt: „Mom, we did it!“ Props gehen also in erster Linie raus an Mom, dann aber auch an Jörn, mein digitales Sprachrohr, das dafür sorgt, dass die Kolumne immer auch am Donnerstag auf dem Schirm erscheint, und das auch noch inklusive mancher hilfreicher Lektoratskommentare. Immer besorgt um die möglichen Konsequenzen des Geschreibsels wie im Fall von Episode 76, meist aber zu Unrecht. Dafür hatte er die zensierte Episode 63 nicht auf dem Schirm, die mein ganzer Stolz ist, denn wenn du als Satiriker niemals zurückgepfiffen wirst, kannst du auch einpacken.

Dann gibt es noch ein paar sehr freundliche Prime-Leser*innen, die mir auch nach so langer Zeit immer mal wieder mündliches oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! (und natürlich die eine oder andere Idee für neue Themen) zukommen lassen, als da wären z.B. Alexander, Malte, Dirk, Kerstins (beide), Gerlinde, Marita, Günter, Ihna und Christian, um nur ein kurzes Namedropping zu betreiben. Ich weiß, dass meine digitale Reichweite begrenzt ist, aber wenn sie euch erreicht und ihr ein wenig Spaß damit habt, hat sich das am Ende des Tages (Oh mein Gott, ich habe es tatsächlich geschrieben!) doch gelohnt. Danke an euch.

Welche Projekte dürfen wir also in den nächsten hundert Episoden erwarten? Nun, das wird für mich eine ebenso große Überraschung wie für euch. Also, wann immer ihr eine Freistunde totschlagen müsst, wann immer ihr eine Auszeit vom Korrekturstress benötigt, wann immer ihr ob des nahenden Wahnsinns einfach nur schreien wollt – ein Klick genügt und Mr. HO spendet digitalen Trost. Und das auch gerne nochmal hundert Episoden lang. Vielen Dank und - Cheerio.“

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