Stolperstein-Putzaktion der IGS Aurich zum 8. Mai
(TJ) Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg in Europa. Deutschland kapitulierte bedingungslos, die nationalsozialistische Herrschaft war besiegt. Für viele Menschen bedeutete dieser Tag Befreiung: Befreiung von Krieg, Terror, Verfolgung und Diktatur. Zugleich erinnert der 8. Mai daran, welches Leid durch den Nationalsozialismus verursacht wurde und warum Erinnerung bis heute notwendig bleibt.
Anlässlich dieses wichtigen Gedenktages setzten die Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Klassen der IGS Aurich gemeinsam mit Frau Vrba und Herrn Trebesch ein Zeichen des Erinnerns. Im Rahmen einer Stolperstein-Putzaktion reinigten sie mehrere Stolpersteine in Aurich, unter anderem in der Julianenburger Straße, Am Neuen Hafen und in der Oldersumer Straße. Die kleinen Messingplatten erinnern an Menschen aus Aurich, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, deportiert oder ermordet wurden.

Der 8. Mai ist nicht nur ein historisches Datum, sondern auch ein Auftrag. Er fordert dazu auf, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen und Verantwortung für die Gegenwart zu übernehmen. Die Schülerinnen und Schüler beschäftigten sich deshalb nicht nur mit den Stolpersteinen selbst, sondern auch mit den Lebensgeschichten der Menschen, deren Namen dort eingraviert sind. So wurde deutlich: Hinter jedem Stein steht ein einzelnes Schicksal.
Die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig machen diese Geschichte im Alltag sichtbar. Sie liegen vor den letzten freiwilligen Wohnorten der Opfer und tragen die Inschrift „Hier wohnte…“ sowie Namen, Geburtsjahr und Schicksal eines Menschen. Inzwischen gibt es über 107.000 Stolpersteine in Europa. Auch in Aurich erinnern sie daran, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht irgendwo geschahen, sondern mitten in den Städten und Straßen, in denen Menschen heute leben.

Ein Beispiel ist der Stolperstein in der Oldersumer Straße 74. Er erinnert an Adolf Friedrich Jensen. Der Lehrer und Sozialdemokrat wurde wegen seiner politischen Überzeugungen verfolgt, überlebte jedoch den Krieg und beteiligte sich nach 1945 am demokratischen Wiederaufbau.
Durch das Reinigen der Stolpersteine machten die Schülerinnen und Schüler deutlich, dass Gedenken aktiv sein kann. Es geht nicht nur darum, zurückzublicken, sondern auch darum, aus der Geschichte zu lernen. Der 8. Mai erinnert daran, wie wichtig Demokratie, Menschenwürde und Zivilcourage sind.

