
Die Kolumne der IGS Aurich
Mr. HOs ganz eigene Sichtweise auf den Schulalltag.
Moin moin,
mein Name ist Mr. HO alias Jochen Hinderks und ich bin nicht nur Lehrer dieser Schule, sondern auch aufmerksamer Beobachter des Schulgeschehens. Meine – meist augenzwinkernden, aber doch immer ein Körnchen Wahrheit enthaltenden – Beobachtungen findet ihr auf dieser Seite. Feedback (per Mail oder auch auf der Rückseite eines übrigbehaltenen Arbeitsblatts in meinem Postfach) ist sehr erwünscht!
Viel Spaß beim Lesen wünscht euch
„The lost art of Zur-Schnecke-Maching“ (Folge 117)

Manche Sachen kann dir kein Studium der Welt vermitteln, kein Praktikum und kein Referendariat. Die kannst du entweder von Natur aus – oder du musst sie dir mithilfe von role models, wie die Fachleute sagen, hart erarbeiten. Die Rede ist von kritischer Verhaltensrückmeldung an Schüler*innen, im Volksmund auch Standpauke, Anschiss oder Einlauf bezeichnet. Wir können das hier aber auch abkürzen, denn wozu gibt es Mr. HO’s Servicezeit:
„STRG-ALT-BILDUNG“ (Folge 116)

Wir schreiben das Jahr 1993. Meine Tante überlässt mir dankenswerterweise ihren abgelegten Personal Computer – natürlich kein High-End-Gerät, sondern ein kohlebetriebenes Vorkriegsmodell mit flackerndem Schwarz-Weiß-Röhrenmonitor, verpackt in einem Gehäuse in diesem unbeschreiblichen Farbton, beige-gelb-grau (ich glaube, heute sagt man „mauve“ dazu), nebst einem Nadeldrrrrrrrucker, der jedesmal klanglich die Apokalypse einläutet, wenn er um einen Ausdruck gebeten wird. Aber ich bin selig. Nicht weil man damit Spiele spielen könnte (nein, die Bezeichnung „Games“ hatten diese Dinger nicht verdient!), dafür aber Texte schreiben und ausdrucken! In die Ecke, Tintenfüller! Dazu der O-Ton meiner Tante: „Damit kannst du ja auch deine Hausaufgaben machen!“ Ja, genau, warum auch nicht?
„Sag ironiemals nie!“ (Folge 115)
Beim gemeinschaftlichen Paddeln am Großen Meer bleibt der Blick eines Achtklässlers an meinem knallroten T-Shirt hängen, das ich bei meiner einzigen Teilnahme am Emder Matjeslauf abgestaubt habe.„Haben Sie beim Matjeslauf mitgemacht?“, fragt er. Achtung, wir wechseln in den Zeitlupenmodus. Meine Erwiderung auf diese Frage in Gestalt elektrischer Impulse, die vom Sprachzentrum zum Artikulationsapparat unterwegs sind, müssen sich entscheiden: Biege ich rechts oder links ab? Dafür müssen zuerst ein paar Entscheidungsparameter abgeglichen werden: Mein Gegenüber ist ein Kandidat für lockere Sprüche, check. Mein Gegenüber hat mich im Unterricht schon des Öfteren zum Wahnsinn gebracht, check. Was noch? Los, entscheide dich, schnell! Okay, okay.
„Mama, bin ich cringe?“ (Folge 114)
"Mit jedem Tag, den ich älter werde, steigt die Anzahl der Personen, die mir den Buckel runterrutschen können." Das ist die jugendfreie Ausgabe der heutigen Monatslosung. Die Autorschaft ist umstritten, vermutet wird Hans-Joachim Kulenkampff, aber auch Albert Einstein ist möglich (der dient ja als Platzhalter für alle möglichen nicht zuteilbaren Kalendersprüche). Wer die Parole ausgegeben hat, ist aber auch völlig irrelevant, wohnt ihr doch eine tiefergehende Weisheit inne, deren Tragweite kaum zu unterschätzen ist.„Let’s get physical“ (Folge 113)
Vor ziemlich langer Zeit, also etwa bei t = -5, wobei t die Anzahl vergangener Jahre seit 2022 beschreibt, da gab ich ein Versprechen. Und schon an diesem einleitenden Satz sollte die Marschrichtung für diesen Artikel deutlich werden: Nerdiger wird’s nimmer! Ich versprach nämlich, mich auf meiner literarischen Tour durch die schulischen Fachbereiche als nächstes denjenigen zu widmen, die – so würde es einer meiner Schüler formulieren – „das Mathespiel mit Bonuslevel durchgespielt haben“, gemeinhin auch Physiklehrer*innen genannt, wobei hier die weibliche Form besonders intensiv mitgedacht werden muss, leidet dieser Fachbereich doch wie wenige andere unter fehlender Geschlechtergleichheit. Woran mag das liegen?
